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Startseite trenner Projekte trenner Einschnitt statt Brücke
Mehrwert für alle erkennbar (LVZ vom 7./8.8.2010)





Stadt Markkleeberg präsentiert Machbarkeitsstudie für abgesenkte Bundesstraße 2

Markkleeberg. Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD) hat es wahr gemacht. Nach monatelanger heftiger Kritik an den Brückenplänen des Straßenbauamtes Leipzig (die LVZ berichtete) hat er gestern Vormittag im Markkleeberger Rathaus die Machbarkeitsstudie für eine im Bereich des Agra-Parks tiefergelegte Bundesstraße 2 präsentiert.

"Es ist kein Geheimnis, dass wir in keinster Weise mit den Vorstellungen des Straßenbauamtes Leipzig einverstanden sind. Deshalb mussten wir in einer frühen Planungsphase aktiv werden", erklärte Klose im gut gefüllten Konferenzzimmer. Und so soll die Variante "gedeckelter Einschnitt" für die B2 aussehen: 380Meter lang mit 100-Meter-Einfahrrampen im Norden und Süden, 29,70 Meter breit mit vier Fahrbahnen à 3,75Meter, zudem Standstreifen, Notgehwege sowie Sicherheitszonen - und das alles in Höhe des Pleißendammes. Zumindest ein Querschnitt, der den Plänen des Straßenbauamtes entspricht, erstellt vom Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner in Dresden.
Vorteil: "Kein riesiger Säulenwald, der die Trennung eines einzigartigen Parkes auf weitere Jahrzehnte zementiert und Besucher abstoßen wird", wie Landschaftsarchitekt und Klose-Freund Dirk Seelemann formulierte, sondern eine abgesenkte Trasse mit grünem Dach, die "die denkmalpflegerische Zielstellung Zusammenrücken von Agra-Park und Agra-Veranstaltungsgelände unterstützen wird". Seelemann hat auch schon konkrete Ideen für die Begrünung: "Ein Staudengarten im Stil der 50er Jahre würde harmonisch zur 1956 eröffneten Parkgaststätte passen."
Einziger Haken: Statt 16,5 Millionen Euro wie für den Ersatzneubau vom Freistaat Sachsen veranschlagt, soll Kloses Vorzugsvariante ganze 24 Millionen Euro und damit ein Drittel mehr kosten. Genau zum richtigen Zeitpunkt kam da für Klose diese Woche ein Brief aus dem Bundesverkehrsministerium in Markkleeberg an. Darin die Information, dass entsprechend der Bedarfsplanung die Autobahn 72 definitiv von Rötha nach Leipzig weitergeführt werden soll. "Das bestätigt unsere Auffassung, dass kein Ersatzneubau errichtet werden soll, sondern man will mit Brachialgewalt den Autobahnzubringer A720 installieren. Deshalb muss es zwingend ein Planfeststellungsverfahren geben", so Klose und brachte die Prognosen des Straßenbauamtes wieder ins Spiel. "Es ist doch offensichtlich, dass 60000Fahrzeuge pro Tag nicht glaubhaft sein können. Wir gehen von bis zu 120000aus", so Klose. Und das in einem Park, der zu einem nicht geringen Teil Natur- und Vogelschutzgebiet sei.
Im Berliner Schreiben stand aber noch eine weitere Nachricht. "Man will eine Tieferlegung oder Einhausung der B2 im Bereich der Agra untersuchen", berichtete Klose. Das Straßenbauamt Leipzig hatte einen Tunnel nach einer ersten Variantenuntersuchung aus Kostengründen abgelehnt. Aufgrund von Bauwerksschäden sei lediglich ein Ersatz der Agra-Brücke notwendig - ohne Planfeststellungsverfahren. "Uns wurden Horrorzahlen für einen angeblichen Tunnel präsentiert, den wir so gar nicht wollen. Und der Ersatzneubau soll acht Meter breiter und ohne Lärmschutz gebaut werden", kritisierte Klose.
Zustimmung gab es für den Rathauschef von Heiko Rosenthal (Linke) - nicht als Leipziger Bürgermeister, dafür in seiner Funktion als Sprecher des Grünen Rings. "Wir unterstützen die Aktivitäten der Stadt Markkleeberg", sagte Rosenthal und betonte, dass alle 13 Mitgliedskommunen, aber auch Fachplaner hinter der Markkleeberger Lösung stünden. "Die Agra ist neben dem Gewässerverbund eines unserer Schlüsselprojekte. Mit einem Brückenrückbau und der Realisierung dieser abgesenkten Variante würde beides befördert. Ich halte die Idee für höchst unterstützenswert, weil ein Mehrwert für alle erkennbar ist", so Rosenthal. Er appelliere an das Straßenbauamt, sich endlich dieser Variante zu öffnen. "Was sich die Behörde vorstellt, ist nicht das, was wir uns für die Agra vorstellen", fügte er hinzu.
Brigitte Wiebelitz, als ehemalige Agra-Geschäftsführerin mit dem Areal über Jahrzehnte eng verbunden, meinte: "Die gemeinsame Sicht von Leipzig und Markkleeberg - und das war nicht immer so - halte ich für ein wichtiges Pfund, das für die Wiederherstellung eines einheitlichen Agra-Parkes bedeutend ist."
Die Machbarkeitsstudie wurde am Donnerstag der Stadt Leipzig und dem Straßenbauamt übergeben. "Jetzt darf keine Zeit mehr verloren werden. Wir suchen das Gespräch, aber ich bin guter Hoffnung", sagte Klose. Der Leiter des Straßenbauamtes Rainer Förster teilte gestern Nachmittag auf Anfrage mit: "Im Rahmen der Auswertung der Variantenuntersuchung wird die technisch und wirtschaftlich zweckmäßigste ausgewählt und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur Genehmigung vorgeschlagen. Die Ergebnisse der Markkleeberger Machbarkeitsstudie werden von uns geprüft und gegebenenfalls in die weitere Planung mit einfließen." Ulrike Witt

Entsprechend der Machbarkeitsstudie soll die Trasse abgesenkt und mit einem grünen Deckel geschlossen werden.Grafiken: Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner
Die Bundesstraße 2 zerschneidet den Agra-Park seit ihrem Bau in den 70er Jahren. Ein "gedeckelter Einschnitt" könnte eine Alternative sein.



Die Planungen für den Einschnitt
Büro: Leonhardt, Andrä und Partner, Büro Dresden, 4.8.2010
Pläne oben und unten auf dieser Seite

 
 
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