Turmblick mit dem ehemaligen Gut Raschwitz

Nur wenige Schritte vom Parkeingang in der Raschwitzer Straße entfernt, liegt das Villenensemble Turmblick / Kastanienweg mit dem ehemaligen Gut Raschwitz.

1889 kaufte der Gautzscher Rittergutsbesitzer Walter Kees das Gut, errichtete bis 1893 das Herrenhaus neu und legte einen prächtigen Park an. Reste der Parkumfassung - die Natursteinmauer mit Balustrade und die Toreinfahrt zum Gut - sind in der Raschwitzer Straße und am Kastanienweg noch zu entdecken. Als umtriebiger und geschäftstüchtiger Eigentümer ließ Walter Kees auch neue Straßen herstellen und beschleusen und schließlich die gesamten Feldgrundstücke parzellieren und verkaufen. Der Verkauf wurde in zwei Hauptteilen abgewickelt: Der nördliche Teil mit dem Herrenhaus Raschwitz ging an den Geheimen Hofrat Dr. Karl Lampe. Den südlichen Teil erwarb Paul Herfurth für die Anlage seines Sommerlandsitzes, den heutigen agra-Park.

 

Nach dem frühen Tod von Dr. Karl Lampe übernahm sein Sohn Lampe-Vischer das Gut Raschwitz und ließ nach nur 9 Jahren (!) das Herrenhaus abreißen, um nach Plänen des renommierten Architekten Erich Walter Voigt 1911/12 ein neoklassizistisches Herrenhaus bauen, das der Formensprache eines englischen Landsitzes entsprach. Die Aufteilung des Gebäudes in mehrere Wohneinheiten erfolgte bereits 1933. Der Turm, nach dem heute das ganze Villenensemble benannt ist, war ehemals ein Wasserturm und diente dem Gut im 19. Jahrhundert zur stabilen Wasserversorgung. Hier waren gleichzeitig Pferdestall, Remise und Kutscherwohnung untergebracht. Nach 2000 wurden die Gebäude des ehemaligen Gutes Raschwitz umfassend renoviert.

 

Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich auf dem ehemaligen Flächen des Guts Raschwitz reiche Leipziger Bürger in großzügigen Villen an. Bereits in den 1920er Jahren galt Raschwitz als vornehmster Villenvorort von Leipzig. Wer den Auenwald von Leipzig über die Koburger Straße oder den heutigen Goethesteig durchquerte, stieß in Raschwitz auf herrschaftliche Villen mit parkähnlichen Gärten Alleen. In der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg war Raschwitz in der einer der begehrtesten Bauplätze im Leipziger Umland. Nach der Erschließung von Bauland entlang der heutigen Dölitzer und Pleißenstraße entstand ab 1934 die „Herrenhaus-Siedlung“ zwischen Kastanienweg und Turmblick. Ein Spaziergang durch das zumeist im Gründerzeit- oder Jugendstil errichtete Villenviertel ist ein architektonisches Erlebnis und eine Begegnung mit namhaften Architekten, Persönlichkeiten und Stadtgeschichte.